Heute habe ich bei uns zu Hause ein kleines, adrett aufgemachtes Heftchen gefunden. Und zwar zum Thema Homöopathie.
Nach einer kleinen Lobrede auf Samuel Hahnemann, den Begründer der Homöopathie, und einem Text darüber, wie toll, familienfreundlich und gesund der ganze Schmuh ist, gehts dann zum Thema.
Grundlage der Homöopathie ist der Simile – Effekt. Hier ein Beispiel: wenn die Nase läuft, weil ich Schnupfen habe, wirke ich am besten mit einer Zwiebel dagegen, weil dann läuft die Nase ja auch. Das Beispiel wird ernsthaft in dem Heft angeführt. Nicht dass diese Art der Heilkunde schon abstrus genug wäre, nein, ich belege das ganze auch noch mit Beispielen, die dermaßen lächerlich sind, dass ich mich möglichst optimal selbst blamiere. Im Übrigen ist der Simile – Effekt bisher noch nicht wissenschaftlich belegt worden.
Weiter gehts: man sollte nun nicht denken, dass jeder Mensch mit den gleichen Symptomen auch die gleichen Medikamente bekommt. Nein sie bekommen überhaupt keine Medikamente, sondern Globuli. Aber auch hier natürlich nicht die gleichen, denn jeder Mensch braucht was anderes, auf seine individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Das kann natürlich nur nach einem ausufernden Anamnesegespräch geschehen. Dort wird alles abgefragt: Geschlechtskrankheiten, Essverhalten, Schlafstörungen, Defäkation,…
Nach so einem Gespräch dürfte es den meisten Patienten sowieso besser gehen. Den Rest erledigt dann der Placebo – Effekt. Der hat übrigens eine nachweisbare Wirkung. In manchen Studien bei über 80%. Damit liegen Placebos besser als manches „echte“ Medikament. Und Placebos wirken sogar bei Kindern und Tieren. Das ist alles, im Gegensatz zur Homöopathie, mit Studien belegbar.
Nochmal zu den Globuli: in Globuli werden die Ausgangsstoffe, die ja eigentlich wirken sollen, verdünnt. Und zwar soweit dass sie teilweise gar nicht mehr nachweisbar sind. Das ganze geschieht in Verhältnissen von 1:10 oder 1.1000, in denen sie dann immer weiter verdünnt werden. Das ganze nennt sich dann auch sinnfreierweise Potenzieren. Nun soll der geneigte Leser aber nicht meinen, dass eine Präparat, dass bis zum Verlust des Ausgangstoffes immer weiter potenziert wird auch gleichzeitig weniger wirksam ist. Ganz im Gegenteil! Je weiter ich potenziere desto stärker wird das Globuli! Wahnsinn!!! Das ist die Quadratur des Kreises, das Pepetuum Mobile der Medizin, der Knaller, der Bringer, mega, geil, fett, ich kann nicht mehr…! Je weniger ich nehme desto gesünder werde ich. Warum hat die blöde Pharmaindustrie das denn noch nicht gemerkt? Die könnten ja noch reicher werden!
Und weiter gehts in diesem Wunderwerk der alternativen Medizin: es folgen noch kleine Notfallmittel und ein Ratgeber für die Hausapotheke. Soweit, so harmlos.
Doch bei den Wirjbeschreibungen hörts dann auf. Hier werden angebliche Medikamente für Symptome und Krankheiten beschrieben, die mit echter Medizin behandelt gehören:
Belladonna: bei Schmerzzuständen mit wellenartigem Verlauf; Mittelohrentzündung; Halsentzündung und fieberhaften Harnwegsbeschwerden.
Super. Ich riskiere lieber ein schwerhöriges Kind mit Nierenbeckenentzündung als einen Weg zum Arzt
Bryonia: bei stechenden Schmerzen im Brustraum
Lieber am Herzinfarkt verrecken als ins Krankenhaus
Cantharis (Spanische Fliege): kannte ich bisher nur als Tropfen um Frauen willig zu machen, aber nun gut…
Ansonsten auch für Harnwegsinfekte.
Leute! Lieber ordentlich trinken und drei Tage Antibiose, als die Nieren zu ruinieren.
Der Rest der angeblichen Hilfsmittel ist zwar nicht überzeugend, aber zumindest nicht unbedingt gefährlich.
Wer zuviel Geld hat und lieber Scharlatanen sein Vertrauen schenkt, ist hier bestens aufgehoben.
Der Rest, der gesund werden und bleiben möchte, sollte lieber auf herkömmliche Mittel zurückgreifen.
Quelle:Homöopathie für Kinder – Natürlich heilen
