Der letzte Bereitschaftsdienst von mir war ziemlich bescheiden. Nachdem ich mir die Nacht mit mehr eingebildeten als wirklich Kranken um die Ohren gehauen habe, habe ich dann kurz vor Dienstende morgens um 6.00 Uhr noch den Fernseher angemacht und mir das Frühstücksfernsehen auf einem unserer alllseits beliebten Kultursender gegeben.
Grund für den Konsum dieser geistigen Diarrhoe war eine Band: Boss Hoss.
Ein Trupp verpennter, langhaariger Kuhjungen rekelte sich im Studio und fand die beiden Moderatoren glaub ich genauso unerträglich wie ich.
Hochinvestigativer Journalismus (”Wer bekommt bei euch die meisten Mädchen?”) traf auf versoffenen Langmut und Desinteresse (”Die anderen bekommen nur die Jungs!”). Die Band hatte am Abend vorher wohl ein Konzert gegeben und war dem überdrehten Moderatorenpaar ziemlich ausgeliefert. Ich meine aber ein ständiges Grinsen um ihre Lippen spielen gesehen zu haben, was ich frei als ungläubiges Amusement deute. Ein ähnliches Gefühl hatte sich inzwischen bei mir auch breitgemacht.
Zum Abschluss gab es dann noch ein Voll - Playback aus der neuen Platte. Playback ist zwar doof, aber die Band rockt trotz alledem!
Ich habe mir daraufhin “Internashville Urban Hymns” besorgt. Geil! Neben eigenen Kompositionen werden allerhand Stücke aus der Rock & Pop - Geschichte verbraten und bekommen einen ordentlichen Countryschliff. Geschmacklich sind die Jungs auf jeden Fall stilsicher: Beastie Boys neben EMF (kennt die noch jemand?) neben Beck.
Ein Album mit viel Rock, Schweiß und Kuhstallgeruch.
Die bösen (und musikalisch besseren) Brüder von Texas Lightning.
Bevor die Sendung zu Ende war, klingelte übrigens wieder mein Telefon.
Der nächste Patient war da. Aber da war ja schon fast Feierabend und ich wusste, welche Platte ich mir als nächstes zulegen würde.
Der Tag war gerettet.